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Zur Lage der Subkultur

Eine Polemik von Colectivo Valeria L.

Beginnen wir mit einer Klarstellung: »Zur Lage der Subkultur« hat nichts mit den wundervollen Versuchen zu tun, die Subkultur in Bayreuth zu retten (also Liebe an einige Menschen). Punkt. Kommen wir zur Gesamtscheiße. Kann sich eigentlich noch irgendjemand daran erinnern, dass in Bayreuth vor etwas mehr als zehn Jahren hunderte Menschen auf Drum & Bass, Hip Hop, Hardcore und Reggae-Partys gekommen sind? Und zwar überallhin. Ins Komm, das heute leider ausschaut wie ein Krankenhaus. Ins Zentrum, das heute leider ausschaut wie eine Bank. In die Schokofabrik, in der heute leider viel zu wenig passiert. In die Rosenau, die heute…na ja, das haben ja alle mitgekriegt. Kann sich irgendwer erinnern, dass das mal anders war?

Symbolbild: Winterdorf. Colectivo Valeria L. muss brechen. Unterbezahlte Saisonkräfte rühren billigen Glühwein an und die Musik, die gespielt wird, ist die Musik des Todes. Helene Fischer meets Scheiße von der Stange und wenn es nicht so kalt wäre, dann würden die Bayreuther gaffend vor Stangen stehen, an denen sich andere Saisonkräfte halbnackt abquälen, in der Hoffnung, ihren Kindern eine bessere Zukunft bieten zu können.

Hat alles nix mit nix zu tun? Doch hat es. Wir lassen seit Jahren zu, dass in dieser Stadt alles, was Differenz, Minderheit, Andersartigkeit ist, verschwindet. Und so werden wir irgendwann Schulter an Schulter am Volksfestplatz zusammenstehen und uns mit irgendwelchen Farbbeuteln beschmeißen. Oder im Einheitslook über das Stadtparkett stolzieren und uns Küsschen zuwerfen. Weil: Wir sind ja alle so geil. Kinder des Konsums, die sich von den Alten sagen lassen, wie sie ihr Leben zu führen haben. Ewige Kinder, die spätestens in ein paar Jahren genauso grau und dumm sind wie alle anderen. Die über alte Zeiten erzählen, als hätte es diese alten Zeiten wirklich gegeben. Dabei ist das alles nur Mythos. Niemand kämpft für irgendetwas. Eingerichtet im sorgenfreien Leben, in einer harmlosen Kleinstadt, gehen wir vor die Hunde. Aber nicht vor die Dobermänner und Rottweiler. Geschweige denn vor die Wölfe. Da sind nur Chihuahuas und Pudel. Mit Hundedecken und Söckchen an den Pfötchen. Was sind das für Menschen? Sekt trinkend, italienisches Essen vom Fließband speisend, langweilig über langweilige Dinge redend.

So sieht es aus. Wenn wir nicht endlich anfangen, die Gesamtscheiße herauszufordern. Mit allem, was wir aufbieten können: Mit Spott und Verständnis, mit Liebe und Hass, mit Hoffnung und mit der Verzweiflung, die in den Herzen all derer sitzt, die es einfach nicht mehr aushalten können.

Von NIX-Magazin veröffentlicht am: 10.09.2017 in: Artikel

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