desto nasher bayreuth rap hiphop

Geister & Freunde

von Purkwizzle

In kleinen Städten, dort wo zwischen Innenstadt und Wald nur Minuten liegen, wächst man zusammen. Oder man schrumpft zusammen. Das ist keine ausgemachte Sache.

Wann wer wen kennenlernt spielt letztlich keine Rolle. Es ist ja auch in kleinen Städten ein Kommen und Gehen. Es gibt aber die Momente, in denen sich entscheidet, ob Menschen bleiben.

In der Bayreuther Hip Hop Szene gibt es einige, die bleiben, ohne jemals Freunde zu werden. Das hat mit so staubigen Dingen wie Respekt und Tradition zu tun. Man feiert ein Piece, obwohl man weiß, dass der Typ, der es gemalt hat, ein Hundesohn ist – oder einen für einen Hundesohn hält. Trotzdem ist da Bewunderung.

Dann gibt es aber auch die, die mehr für einen sind. Nicht bloß weil Ideen geteilt oder dieselben Platten gehört werden. Sondern weil jemand im richtigen Augenblick die richtigen Worte gesagt hat. Oder die Fresse gehalten hat. Oder einfach da war. An dem Abend, an dem ich wusste, dass Desto & Nasher zur zweiten Kategorie gehören, wurden in relativ betrunkenem Zustand Haare geschnitten, Pizzastücke zogen wie schwere Wolken durch die Luft und Rap war irrelevant. Zu dieser Zeit ahnten wir nur, wie sehr uns dieser Abend verbinden sollte. Heute wissen wir das, denn wir werden nie wieder in derselben Konstellation einfach zusammensitzen und eine gute Zeit haben können.

Die Tracks von Desto & Nasher schleppen eine Traurigkeit mit, die nun einmal unweigerlich da ist, wenn man mit offenen Augen und Ohren durch diese Welt läuft. Trotzdem leben die beiden viel zu gerne. Diese Mischung aus Traurigkeit und Lebensfreude ist ein Kleinstadtding, vielleicht sogar ein Landding. In den Metropolen heulen die Leute rum, wenn sie traurig sind. Bei uns sitzen sie an Lieblingsplätzen, trinken Schroll und schauen der Sonne dabei zu, wie sie die Schatten über die Hügel schiebt.

Desto & Nashers Heimat ist Mistelgau, ihr Planet die Musik. Sie kommen aus der Provinz, doch schrauben Tracks, in denen sich mehr Referenzen verstecken als in gleichgeschalteter Gegenwartsliteratur. Klar sind Bilder ab und an schief, natürlich wurden manche Samples bereits verwurschtelt, aber sorry, wen kümmert’s?

Ihre Musik hat eine Selbstverständlichkeit, die andere niemals erreichen werden. Eine Selbstverständlichkeit, die sich daraus speist, dass sich nicht alles klären lässt, dass manche Fragen eben nicht beantwortbar sind. Manche Tage sind dunkel, andere unweigerlich hell. Lass uns Sound machen. Mehr gibt es nicht zu wissen.

Eigentlich geht es in diesem kurzen Text einzig um dieses Gefühl. Nennen wir es eine Haltung der Welt gegenüber. Wenn Desto Justus Jonas zitiert und rappt »Ich kann mich auf nichts verlassen, deshalb mache ich Platten«, dann ist das richtig und falsch zugleich. Denn würden sie sich auf nichts verlassen können, dann würde ihre Musik anders klingen. Weniger hoffnungsvoll. Und doch ist da dieses tief sitzende Gefühl von what the fuck.

Von: Was zur Hölle soll das hier alles? Es ist ein Widerspruch, der sich nicht auflösen lässt. Der zum Leben dazugehört, wie besoffen in die Hecke fallen und ein stiller Mensch zu sein. Oder sich das dopeste Rapduo im Umkreis von tausendundein Kilometern als durchdrehende Kerwasburschen vorzustellen.

»Horch fei«, höre ich sie sagen, »jetzt reichts abba loangsam«.

Desto & Nasher
haben die Alben »Jalousien« (2012) und »Sprechblasen« (2015) und zusammen mit Clerk die 8888 EP (2014) veröffentlicht. Benutze für weitere Infos eine Suchmaschine oder halte nach ihnen im Bayreuther Bermudadreieck Ausschau.

www.destoundnasher.de

Von NIX-Magazin veröffentlicht am: 03.01.2017 in: Artikel

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