papierpilz uni bayreuth upcycling

Es geht nicht ohne, es geht nicht mit — doch zusammen geht’s!

Papierpilz Bayreuth über Mensch und Papier.
Für letzteres geht es um Leben und Tod —
für ersteren auch?

von Silvia Wiegel, Minh Hoang & Meike Abraham – Fotos von: Adrian Infernus

Samstagabend in Bayreuth. Die Vorbereitungen für eine kreative Party sind im vollen Gange. Die Musik läuft schon, die bunten Lichter sind an. Sie, weiß und schlank, hat eigentlich ein Date. Und der Besuch hat sich digital auch schon angekündigt. Doch wie so oft wurde sie versetzt.

Ausgerechnet ihre schwarze Schwester hat ihr erneut die Show gestohlen. Und das nur, weil der Vater mal wieder dazwischengefunkt hat. Er spricht aber nie vorher mit ihr darüber. Typisch für ihn. Sie wird immer vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Andere dagegen wird oft freudestrahlend und erwartend empfangen. Alle wollen immer nur die Andere, die Schwarze sehen, und wenn die es dann nicht richtig macht, dann kriegen es beide ab. Schwestern eben. Dann würdigt man sie plötzlich keines Blickes mehr. Und das, obwohl sie voller Energie und schön sind. Bereit für neue Abenteuer in Freiheit, eigentlich. Alleingelassen und zurückgewiesen fühlen sich die Schwestern dann aber auch… Und so ist es fast immer mit leeren Rückseiten fehlerhaft bedruckten Papiers. Wenn die eine Seite falsch bedruckt ist, dann landet auch die andere allzu oft unbeachtet im Müll.

Es geht nicht ohne gedrucktes Papier. Gerade in einer Papierbürokratie wie Deutschland und noch dazu in einer Universitätsstadt, in der geschriebenes Wort oft mehr zählt als gesprochenes, scheint es unmöglich zu sein, Papier zu sparen. Werke müssen gedruckt, Gedanken zu Papier gebracht werden. Die Drucker auf dem Bayreuther Campus laufen dementsprechend heiß.

Es geht nicht mit bedrucktem Papier. Wenn eine Seite falsch bedruckt ist, dann scheint die andere, leere Seite ebenfalls unbrauchbar zu sein. Allein wäre diese leere Seite sofort prima weiter verwendbar. Doch die Seiten sind untrennbar miteinander verbunden. Mülltrennung im klassischen Sinne funktioniert hier also nicht.

Was tun?
Zusammen geht’s! Denn zusammen ist man weniger allein. Seit Kurzem treibt sozusagen ein ökologisch angehauchter »Dating-Doktor« auf dem Bayreuther Campus und im Transition-Haus Bayreuth sein Unwesen. Er bringt alleingelassene leere Rückseiten wieder zusammen.
Die Rede ist vom Papierpilz, unserem Papierpilz Bayreuth. Er besteht aus einem kleinen Team Studierender, die Lust und Freude daran haben, mit etwas Werkzeug und Material das Papier ganz einfach und in nur fünf Minuten zu Collegeblöcken zusammenzubinden. Jeder Papierpilzblock ist einzigartig und individuell in seiner äußeren Gestaltung, weil dazu Kartons für die Blockrückseite und zum Beispiel schöne Kalenderblätter für die Blockvorderseite eingearbeitet werden. Kann ich das auch?

Das ist ja gerade das Tolle! Papierpilz Bayreuth ermöglicht es Dir, dass auch Du solches Papier in coolen wiederbeschreibbaren Blöcken zusammenbringen kannst. Papier sammeln wir über unsere Sammelstellen neben hochfrequentierten Druckern vor allem an der Uni. Rückseiten machen wir aus den Kartons, in denen neues Papier üblicherweise an die Uni geliefert wird. Spiralen organisiert das Papierpilz-Team intern.

Was aber oft noch fehlt und jeder vor allem gegen Anfang eines Jahres zuhause unbedacht herum liegen hat, sind Kalenderblätter. Diese eignen sich ideal für Cover der Papierpilzblöcke und sehen dabei noch hübsch aus!

Bring Deinen alten Kalender, Fotos oder Postkarten mit zu uns und schon hast Du ein schönes Cover für Deinen Spezial-Block! Natürlich kann man auch allein, also jeder für sich, falsch bedrucktes Papier sammeln und wiederverwenden. Die Stories, die uns seit unseren einjährigen Papieraktivitäten bisher zu Ohren gekommen sind, reichen von ausrangierten riesigen Bindemaschinen bis hin zu banal klingenden Solo-Papiersammlern und Zusammentackern von Hand. Doch eines ist klar: In unserer Werkstatt vereinen sich nicht nur handwerkliches Geschick und Kreativität zur Blockkunst, sondern auch Menschen, die zusammen dem weit verbreiteten papierigen Schweinehund an den Kragen wollen.

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v.l.n.r.: Karo, Silvia, Leonie, Meike, Minh, Anna, Tanu und Jonathan. (Nicht im Bild: Richard)

Wann und wo selbst etwas Schönes, Praktisches und sogar Nachhaltiges machen? Zu unseren Öffnungszeiten: Montag: 11–13 Uhr und Donnerstag: 13–14 Uhr.
Beim Team-Treff von Papierpilz Bayreuth: Mittwoch, 11:45–12:15 Uhr.
Und das alles in der Papierpilz-Werkstatt an der Uni im Green Campus Büro (B9, Zi. 6, nicht unweit der Mensa-Bushaltestelle).

Von NIX-Magazin veröffentlicht am: 12.11.2017 in: Artikel

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